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Totgesagte fliegen länger – das Comeback des A380

Der Riesen-Airbus A380 galt in der Pandemie als Auslaufmodell. Doch bald kehrt das größte Verkehrsflugzeug der Welt bei Lufthansa und anderen Fluggesellschaften zurück in den Liniendienst. Manche Passagiere nehmen sogar Umwege in Kauf, nur um mit ihm zu fliegen. Auf den Aussichtsdecks der Flughäfen von Hannover, Dresden und Leipzig/Halle dürfte im Mai viel los sein: „Dort führen wir dann 60 Trainingsflüge mit der A380 für neu geschulte Piloten durch, eine Menge Leute werden zuschauen“, erwartet Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty.

Es ist eine kleine Sensation für Flugzeugfans und Passagiere: Der bei vielen Airlines im Zuge der Corona-Pandemie schon abgeschriebene und stillgelegte Riesen-Airbus kehrt bald bei Lufthansa, aber auch bei anderen Fluggesellschaften, zurück in den Liniendienst. Während im Frühjahr 2020 weltweit nur noch gut 20 A380 flugbereit waren, standen Anfang Februar laut Luftfahrtanalyst Cirium mit 132 Maschinen schon wieder mehr als die Hälfte aller Airbus-Riesen weltweit im Liniendienst, Tendenz steigend.

Das Revival des größten Verkehrsflugzeugs der Welt – bei Emirates sind Versionen mit 615 Plätzen unterwegs – freut viele Reisende: Kein anderer Jet fasziniert bis heute derart und lässt Passagiere sogar Umwege in Kauf nehmen, nur um mit ihm zu fliegen. In dem Doppelstöcker bieten die beiden Kabinendecks mehr Platz als in anderen Fliegern, und an Bord ist es viel leiser. Premiumpassagiere kommen je nach Airline sogar in den Genuss von Duschen, Lounges, Bars, die es nur an Bord der A380 gibt.

Für die Kehrtwende „kamen gleich mehrere Wunder zusammen“, erklärt Lufthansa-Sprecher Lamberty: „Die raketenartig anziehende Passagiernachfrage und extreme Lieferverzögerungen bei Boeing.“ Das gilt nicht nur für die größte deutsche Fluggesellschaft, sondern die gesamte Branche. Der US-Hersteller hätte längst das größte aktuell produzierte neue Verkehrsflugzeug Boeing 777-9 liefern sollen, auch an Lufthansa, doch nun wird es nicht vor 2025 so weit sein. So blieb quasi gar keine andere Wahl, als die A380 zu reaktivieren, denn die Airlines brauchen schnell mehr Kapazität. Ein weiterer Grund für den unerwarteten A380-Aufwind: Der Wert für gebrauchte Maschinen ist stark gesunken, sodass eine Wiederinbetriebnahme sich für viele Gesellschaften mehr lohnt als ein Verkauf. Zum Wertverfall beigetragen hat auch der Umstand, dass die A380-Produktion eingestellt worden ist; Ende 2021 hat Airbus das 251. und letzte je gebaute Exemplar an Emirates ausgeliefert.


Vor der Pandemie war der Riesen-Airbus bei 16 Fluggesellschaften in Betrieb. Nur bei Emirates, die mit 118 Exemplaren die größte Flotte betreibt, wäre die A380 noch einige Jahre weitergeflogen, ebenso bei Singapore Airlines, seit 2007 erster A380-Betreiber, und auch bei British Airways, die ihre Riesen schon nach kurzer Einmottung wieder aktivierte.

Anders Lufthansa. Konzern-Chef Carsten Spohr war sich vor gerade mal 15 Monaten noch sehr sicher: „Nein, die A380 kommt natürlich nicht zurück“, verkündete er im Herbst 2021. Die Kranich-Linie hatte mal 14 Exemplare besessen, sechs wurden bereits verkauft, die restlichen acht schmorten seit Frühjahr 2020 in der Sonne der spanischen Halbwüste auf einem Abstellplatz vor sich hin. „Mindestens drei“ davon kommen nun zurück, heißt es bei Lufthansa. Die erste A380 wurde bereits Anfang Dezember aus Spanien abgeholt und flog Ende Januar von Frankfurt nach Manila, wo sie „wieder als reguläres Passagierflugzeug startklar gemacht wird für den Sommer“, wie die Airline auf Twitter bestätigte.

Zwei weitere Maschinen folgen bis März. Passagierflüge damit werden aber erst zur Hauptsaison im Juni starten. Lufthansa wird ihre A380, wie ein Sprecher bestätigte, vermutlich nach New York, Boston und Los Angeles einsetzen.

An Bord wird bei Lufthansa alles unverändert gegenüber den letzten A380-Flügen 2020 erscheinen, die Fluggesellschaft verändert die Kabineneinrichtung nicht. Anderswo geschieht das sehr wohl – Emirates etwa, die derzeit 84 A380 in der Luft hat, unterzieht ihre Doppelstöcker gerade dem größten Kabinen-Erneuerungsprogramm der Luftfahrtgeschichte, wie sie es nennt.

Alle A380 erhalten dabei in beiden Decks eine Auffrischung, dazu gibt es erstmals 56 in cremefarbenem Leder bezogene Premium-Economy-Sitze des deutschen Herstellers Recaro an Bord. Pro Flugzeug sind dabei 1000 Arbeitsstunden in 16 Tagen zu leisten.

Singapore Airlines und Qantas bringen aktuell die letzten ihrer wieder zum Einsatz kommenden Großraumjets auf den neuesten Komfortstandard und beenden Kabinen-Umrüstungsprogramme, die während der Pandemie unterbrochen waren. Bei den Singapurern kommt nun in allen A380 die neueste First-Class-Suite zum Einsatz.

So ein Riesenflugzeug aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken, ist eine gigantische Aufgabe. Zwar werden die parkenden Jets auch während der Abstellzeit regelmäßig gewartet und bewegt, aber um sie wieder fit und sicher für den Flugalltag zu machen, ist viel Aufwand nötig.

Bei Lufthansa rechnet man mit 2500 Arbeitsstunden allein dafür, um eine in Spanien abgestellte A380 wieder nach Frankfurt zu überführen, von wo sie nach einigen Wochen Wartung nach Manila gebracht wird. Dort findet die finale Grundüberholung statt, die noch einmal zwischen einem und zwei Monaten dauert. Auch bei Qantas ist der Aufwand enorm. „Eine A380 aufzuwecken dauert zwei Monate und 4500 Arbeitsstunden von zehn Ingenieuren, die alles an Bord austauschen, von 22 Rädern und allen 16 Bremsen bis zu den Feuerlöschern“, sagte Airline-Chef Alan Joyce dem australischen Magazin „Executive Traveller“, „sobald die Maschinen aus der Wüste zurück sind, folgen noch hundert Tage Überholung.“

Der letzte A380-Betreiber, der sein stillgelegtes Flaggschiff überraschend wiederbelebt, ist Etihad. Die Airline aus den Vereinigten Arabischen Emiraten reaktiviert vier ihrer zehn A380 für die Route von Abu Dhabi nach London-Heathrow ab 15. Juli. Das freut Premiumkunden besonders, denn keine andere Airline bietet ein derart luxuriöses Interieur an Bord – bis hin zu „The Residence“, einer Art Privatwohnung über den Wolken für zwei mit eigenem Schlaf – und Badezimmer samt Dusche.

Die größten A380-Drehkreuze sind wie vor der Pandemie wieder Dubai (als Emirates-Hauptflughafen) sowie London-Heathrow. Sechs Airlines kommen mit den Riesen an die Themse, für den Hochsommer erwartet der Flughafen bis zu 22 A380-Starts am Tag.

In Frankfurt/Main dagegen ist die A380 nur spärlich vertreten – Emirates fliegt damit täglich nach Dubai (außerdem ab Düsseldorf und München), während Singapore Airlines nach dem 14. Mai ihre A380 auf der Route Singapur–Frankfurt–New York durch eine Boeing 777 ersetzt. „Da wir nur zwölf A380 in unserer Flotte haben und die Nachfrage nach Australien noch höher bewertet wird, kommt die A380 ab Mitte Mai verstärkt nach Sydney und Melbourne zum Einsatz“, begründet Peter Tomasch, Sprecher der Fluggesellschaft, den Abzug aus Deutschland.

Immerhin plant die koreanische Asiana, den Rhein-Main-Flughafen ab Sommer wieder von Seoul aus mit dem Doppelstöcker anzusteuern. Lufthansa hingegen wird ihre Flüge mit den wiedererweckten Riesen ausschließlich ab München starten.

Das umfassendste A380-Streckennetz weltweit bietet momentan Emirates mit 40 Zielen in 27 Ländern, gefolgt von British Airways, die damit sieben US-Städte plus Dubai und Johannesburg ab London bedient. Asiana, Korean Air und Qatar Airways fliegen alle unter anderem Bangkok mit der A380 an.

Wer Thailand-Urlaub plant und unbedingt A380 fliegen möchte, fliegt mit der Golf-Airline ab Deutschland bis Doha und steigt dort in den Großraumjet nach Bangkok um. Australien-Reisende haben die Wahl zwischen Qantas und Singapore Airlines.

Es gibt aber auch Gesellschaften, die der A380 endgültig und definitiv Lebewohl gesagt haben. Air France war die Erste, Malaysia Airlines und China Southern Airlines folgten kürzlich. Ungewiss ist die Lage noch bei Thai Airways. Die Gesellschaft hat sechs Großraumjets eingemottet und denkt über eine Rückkehr von bis zu vier der Maschinen nach. Totgesagte fliegen eben länger.

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Quelle: Welt.de

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